Gedanken einer Christin zum Advent

Advent – ankommen. Wir warten auf den, der da kommt, das Baby, hilflos in einer Krippe, menschgewordener Gott in aller Hilflosigkeit. Warten wir darauf? Oder warten wir auf ein kuscheliges Familienfest, mit Geschenken, schönen, stimmungsvollen Liedern, Lichtern, Tannenzweigenduft?

Heute ist der erste Advent. Aber: Lebkuchenmännlein, Weihnachtsmänner, Marzipankartoffeln und ähnliches finde ich schon seit Ende August, die ersten Spendenbettelbriefe kamen im September, Werbung für Adventskalender und Weihnachtsgeschenke sowie Weihnachtsmenus waren da bereits an der Tagesordnung. Adventslichterketten schlossen sich nahtlos an den Hallowenschmuck an. Im Radio hörte ich, dass der Weihnachtsmarkt in Crange bereits Ende Oktober aufgebaut wurde: Große Ereignisse werfen ihre Schatten heraus.

Und wir? Wir finden vielleicht, dass man Lebkuchen, außer in Aachen, erst im Advent kauft, denken aber schon über Weihnachtsgeschenke nach, planen, wer wie wo und wann mit wem feiern wird, vielleicht auch welches Menu – es gibt ja so viel zu berücksichtigen: Allergien, Vegetarier, Veganer, persönliche Vorlieben…

Warten wir? Eher hoffen wir, dass die Zeit dahin noch was dauert, Weihnachten kommt immer so plötzlich. Wenn Sie dies hier lesen, ist der Advent ja da – und wahrscheinlich längst nicht alles geschafft, was man wollte.

Wenn wir dennoch den Advent bewusst leben wollen, so sollten wir uns Zeit nehmen. Zeit für uns – zum innehalten jenseits aller lauten Geschäftigkeit. In Münster gibt es in der Adventszeit immer besondere Installationen in der Überwasserkirche, die genau dazu einladen: gibt es so etwas in meiner Umgebung auch? Oder setze ich mich einfach mal in eine offene Kirche? Und wenn „meine“ Kirche nicht offen ist: vielleicht biete ich an, mich zu bestimmten Zeiten für eine Weile hineinzusetzen, damit sie offen sein kann – vielleicht finde ich sogar Mitstreiter?
Und dann sollte ich versuchen, Zeit für meine Mitmenschen zu haben: wo kann ich helfen, wo werde ich gebraucht? Ein Besuch, ein Telefonat: oft braucht es nicht viel.

Und dann noch die Zeit, hinzugucken: wer sitzt da auf der Straße, kann ich vielleicht schon mit einem Becher Kaffee Freundschaft schenken? Und durchaus auch die Zeit für „Bettelbriefe“ – was sind berechtigte Anliegen? Worauf will ich mich konzentrieren, wo kann ich helfen?

Denn das ist das adventliche Warten, wie ich es verstehe: Zeit für mich, Zeit für andere und damit Zeit für Gott: sagte nicht Jesus: „was ihr dem geringsten meiner Brüder (heute würden wir sagen Geschwister) getan habt, das habt Ihr mir getan“? Und dann merke ich vielleicht, dass die ganze Organisiererei und Kauferei und Putzerei nicht das ist, was das Weihnachtsfest zum Weihnachtsfest macht: abgekämpft auf den letzten Metern, und dann schnell den Schalter umlegen. Sondern innerlich vorbereitet sein auf Ihn, dessen Ankunft in der Welt wir an Weihnachten feiern: auf Jesus, der sein Leben in der Liebe auf seine Mitmenschen ausgerichtet hat.

Und dann ist Weihnachten mehr als nur ein kuscheliges Fest. Dann ist es der Anfang vom Himmelreich auf Erden.  

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